Irmgard Hannemann / Patientin

 

Vor ungefähr 1 ¼ Jahr rutschte ich in eine Krise. Es ging nichts mehr. Die Depressionen wurden immer schlimmer. Ich zog mich noch weiter zurück als gewohnt und schlief nachts nur noch zwei bis drei Stunden. Die Ärzte drängten, ich solle in die Dr. Heines Klinik gehen. Sie würden sogar dort anrufen und es dringend machen. Aber wieder ganz raus aus dem Alltag, alle Termine absagen und für sechs Wochen Koffer packen, all das ging gar nicht. Ich sagte immer wieder: „Nein". Nach mehreren Wochen des Ringens schlug Dr. Reinecke, Behandlungszentrum Süd, mir vor, ins Rückzugshaus zu gehen. Ich war etwas skeptisch. Dann hatten meine Wohnbetreuerin und ich ein Vorstellungsgespräch. Ich war angetan von der Möglichkeit, einen geschützten Raum zu haben und trotzdem alle meine Termine wahrnehmen zu können. Ich brauchte keinen Koffer zu packen, die Reisetasche genügte – Kulturtasche, Handtücher, Nachtzeug, etwas Wäsche und drei bis vier T-Shirts. Da ich den Tag über in der WG war, konnte ich alles wechseln.

Aber, da kam ein großes Problem. Ich kann nicht Bus und Bahn fahren. Schon nach zwei Haltestellen setzt so starke Panik ein, dass ich aussteigen muss. Die Strecke WG und Rückzugshaus, und mit umsteigen, nein, das schaffe ich nicht. Sollte darum diese gute Möglichkeit scheitern? Die Mitarbeiterin nahm mein Problem ernst, und ich versprach, weiter zu üben. Aber für die vier Wochen würde ich mit dem Auto gefahren werden. Das ist wirklich nur in Notsituationen möglich. Jetzt bin ich vier Wochen hier und habe mich gut stabilisiert. In drei Tagen ist Entlassung. Ich schlafe gut und brauche kein Tavor. Die Atmosphäre hier ist sehr gut, die Betreuer/-innen untereinander und zu uns Patienten, aber auch wir Patienten untereinander. Ich bin mit einer Krankenschwester, 51 Jahre, zusammen im Zimmer, auch das ist gut, wir verstehen uns und haben den gleichen Rhythmus.

Zwischen 17:00 und 18:30 Uhr wird gekocht. Es gibt immer frisches Gemüse und Salat. Wenn ich konnte, half ich, Gemüse und Salat zu waschen und in kleine Stücke zu schneiden. Das hat mir Freude gemacht, und immer so tolle Rezepte. Es hat jeden Tag so gut geschmeckt, dass ich zwei Kilo zugenommen habe. Zwischen 18:00 und 19:30 Uhr haben wir alle gemeinsam gegessen. Auch das war immer ein Erlebnis. Eine ganz entspannte Sache. Mir hat das unglaublich viel geholfen und gut getan. Und dann die Gespräche mit den Mitarbeiter/innen. Ich gehe als ganz anderer Mensch hier weg und hoffe, es bleibt auch lange Zeit so. Und ich weiß, kommt es wieder zu einer Krise, ich darf wiederkommen. Ich bin willkommen. Ich bin allen sehr dankbar.

 

Irmgard Hannemann

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Ihr Persönlicher Ansprechpartner RZH Hermann Tolle

Hermann Tolle

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