Soziotherapie [ST]

Seit dem 1. Januar 2003 ist es der Gesellschaft für Ambulante Psychiatrische Dienste [GAPSY] möglich, Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen auch soziotherapeutisch behandeln zu können.

Warum Soziotherapie?

Eine schwere psychische Erkrankung bringt in vielen Fällen mit sich, dass sich sichere Strukturen um den kranken Menschen herum auflösen: Der vertraute Alltag, Bankgeschäfte, Wohnungsangelegenheiten werden vernachlässigt. Die Familie ist überfordert, der Freundeskreis verunsichert. Auch der Arztbesuch ist nicht mehr wichtig. Damit beginnt ein Teufelskreis der Desorientierung. Oft wird in dieser Situation eine stationäre Behandlung verordnet. Sie fängt die medizinische Problematik auf, die persönliche "Infrastruktur" der Patientin, des Patienten bleibt jedoch in der Regel außen vor. Stattdessen gewinnt der Klinikaufenthalt an Inselcharakter, der die Rückkehr in die eigenen vier Wände mit Stress belegt und den Krankheitsverlauf wieder verschlechtern kann. Ein neuer Klinikaufenthalt steht an. Für diese "Drehtür-Patientinnen/Patienten" ist die Soziotherapie gedacht. Sie sollen mit der soziotherapeutischen Unterstützung lernen, ihr Lebensumfeld wieder selbst zu gestalten, den Alltag zu managen und eigenständig ambulante Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Für wen kommt Soziotherapie in Frage?

Soziotherapie ist eine krankenkassenfinanzierte Leistung, auf die jede versicherte Person einen gesetzlich verankerten Anspruch hat. Sie ist im Sozialgesetzbuch § 37a SGB V festgehalten.

Die Verordnung dürfen nur Fachärztinnen und -ärzte auf dem Gebiet Psychiatrie oder Nervenheilkunde vornehmen.

Maximal sind es 120 Stunden innerhalb von drei Jahren.

An die Patientinnen, die Patienten werden einige grundsätzliche Anforderungen gestellt: Sie müssen ein Grundverständnis sowie eine Form der Krankheitseinsicht besitzen. Dazu belastbar und motivierbar sein. Man muss mit ihnen kommunizieren und sich darauf verlassen können, dass sie einfachste Absprachen einhalten. Anspruchsberechtigt sind vor allem Personen mit einer schweren Erkrankung aus den Bereichen des schizophrenen Formenkreises oder einer depressiven Episode mit psychotischen Symptomen. Zusätzlich wird die Ärztin, der Arzt eine so genannte "Fähigkeitsstörung" feststellen müssen. Dazu gehören unter anderem die Störung des Antriebs, der Ausdauer, der Kontaktfähigkeit, der planerischen Gestaltungsmöglichkeiten, der Krankheitseinsicht und -bewältigung.